Die Suche nach dem neuen Lieblingsbuch

Man hat gerade ein Buch ausgelesen, schlägt den Buchdeckel zu, aber eigentlich steckt man noch völlig in der Welt fest. Am liebsten würde man genau das Gleiche noch einmal lesen, nur eben… etwas anders. Man schaut sich im heimischen Labyrinth der Stapel ungelesener Bücher um, aber das Richtige ist einfach nicht dabei. Die Suche beginnt.

Es gibt eine Vielzahl an Optionen neue Bücher zu finden. Man durchstöbert Bookstagram, Buchblogs, erhält Empfehlungen von Freunden, vom Buchhändler des Vertrauens oder aus den Medien. Man kann sich durch die Bücher desselben Autoren lesen, in der Bibliothek oder in Buchläden stöbern oder vielleicht finden sich ja sogar Empfehlungen des Verlags im Buch. Doch falls all dies versagt, gibt es Webseiten, die sich darauf spezialisiert haben, Bücherwürmern das Leben zu vereinfachen.

Goodreads

Eine dieser Webseiten ist Goodreads und diese ist wohl eines der bekanntesten Portale für Büchernarren. Diese Webseite kann allerdings weit mehr als nur Bücher empfehlen.
Ohne ein Nutzerkonto kann man sich dort durch Rezensionen, Buchvorschläge und Buchlisten lesen. Mit einem Konto kann man selbst seine Meinung zu Büchern verlautbaren, sich mit anderen Lesern austauschen oder Listen erstellen; dazu gehören nicht nur Listen wie „will ich lesen“, „lese ich gerade“ und „bereits gelesen“, sondern man kann auch Listen mit einer selbst gewählten Thematik erstellen. Die Webseite ist mehrsprachig und man ist nicht an die englische Sprache gebunden. Rezensionen finden sich in jeder erdenklichen Sprache und Bücher aus allen Herren Ländern sind vertreten. Diese Datenbank wird vor allem durch die Community gespeist, da man als Nutzer auch neue Bücher hinzufügen kann, falls diese noch nicht in der Datenbank vorhanden sind.

Lovelybooks und Was liest du?

Die deutschen Pendants zu Goodreads sind die Plattformen Lovelybooks und Was liest du?. Diese bieten in etwa das Gleiche wie ihr amerikanisches Vorbild. Die Communitiy-Mitglieder verfassen Nutzerrezensionen, man kann Bücherlisten erstellen und Lovelybooks hat, im Gegensatz zu Was liest du?, unter „Beliebte Themen“ eine Suchfunktion nach ähnlichen Büchern.

Beide Seiten bieten zusätzlich noch Buchverlosungen mit gekoppelten Leserunden. Hierbei hat man die Chance ein Freiexemplar zu gewinnen und im Anschluss „diskutiert [man] in der Leserunde mit, tauscht [sich] über […] Leseerfahrungen aus und veröffentlicht am Ende eine Rezension zum Buch.“ Dies ist ähnlich wie bei der Webseite Vorablesen.de, die ich bereits vorgestellt habe.

Project Alexandria

Während hinter Goodreads eine Community lesebegeisterter Nutzer steht, steht hinter Project Alexandria ein Team von sechs Leuten. Entstanden ist die Datenbank im Rahmen einer Abschlussarbeit an der University of Texas in Austin.
Wie das Team auf der Webseite selbst schreibt, wurden über eine Millionen Bücher analysiert. Dies geschah anhand mehrerer Faktoren: Genre, Inhaltszusammenfassung, Wortwahl, Komplexität und Ähnlichkeit der Autoren. Bücher mit einem ähnlichen Stil, Thema oder Leserschaft wurden somit verknüpft. Die Ähnlichkeit der Autoren wurde unter anderem ermittelt, indem man betrachtete welche Autoren sich möglicherweise beeinflusst haben. Eine Auswahl der verknüpften Autoren findet ihr [hier].

Ein weiteres Analyseelement war die „sentiment analysis“ („Empfindungsanalyse“). Die einzelnen Bücher wurden anhand von positiven und negativen Emotionen in Abschnitte unterteilt. Diese Gefühlsabschnitte ergaben ein Muster, welches mit den Mustern der anderen Werke angeglichen wurde. Grundlage hierfür waren die Bücher aus dem Project Gutenberg. Anschaulicher lässt sich die sentiment analysis mit dieser Grafik darstellen:
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Bei der Eingabe in die Suchleiste reicht Titel oder Autorenname. Bereits bei der Eingabe scrollt eine Liste an Vorschlägen auf. Da nur eine begrenzte Zahl an Titeln und Autoren vertreten sind, ist dies durchaus hilfreich. Allerdings arbeitet die Webseite mit englischsprachiger Literatur. Wer also ein deutsches Buch lesen möchte, muss hoffen, dass es eine Übersetzung gibt.

WhichBook

Die Webseite WhichBook verfährt ein wenig anders, als die bisher vorgestellten. Hier kann man nicht direkt nach einem Titel suchen und sich Ähnliches vorschlagen lassen, denn man sucht hier nach Kriterien. Hierfür gibt es zweierlei Suchmaschinen.

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Einerseits kann man mit Schiebereglern einstellen (auf der Abb. links), welche Charakteristika das Buch haben soll. Hier kann man vier von zwölf auswählen. Darunter sind die Kriterien glücklich oder traurig, konventionell oder ausgefallen, kurz oder lang, kein Sex oder viel Sex. Unter den Suchergebnissen gibt es einen „Profile“-Button, auf dem man sich das individuelle Profil des Buches anzeigen lassen kann. Dieses zeigt auf, wie die Schieberegler zu den einzelnen Einschränkungs- und Auswahlkriterien für den jeweilige Titel aussehen.

Andererseits gibt es eine Suche, bei der man Angaben zu Charakteren, zum Plot und zum Ort des Geschehens machen kann. So kann man Hautfarbe, Alter, Gender und Sexualität der Charaktere auswählen. Außerdem kann man angeben wie die Grundstruktur des Plots aussehen soll; ob die Geschichte einen Sieg entgegen aller Wahrscheinlichkeiten oder viele Wirrungen und Wendungen enthalten soll. Unter dem Tab „Setting“ (Kulisse) kann wählen, ob die Geschichte in einem realen oder fiktiven Land spielen soll.

Wer etwas Ansprechendes in den Suchtreffern für sich findet, kann sich dort, mit einem Klick auf „Find Similar“, auch Bücher anzeigen lassen, die ähnlich sind. Zudem kann man sich anzeigen lassen welche Bücher als E-Books, Hörbücher oder mit Großdruck verfügbar sind. WhichBook ist allerdings ausschließlich auf Englisch, wer nach deutschen Titeln sucht, muss auf eine Übersetzung hoffen.

BookSeer

Eine weitere Webseite ist BookSeer. Diese soll allerdings nur der Vollständigkeit halber erwähnt werden, denn die Auswahl der Bücher und deren Zusammenhang kommt anhand der Amazon Recommendations zu Stande. Gerade deshalb ist es etwas seltsam, dass die Vorschläge auf englischsprachige Literatur begrenzt ist. Zudem benötigt man im Gegensatz zu Project Alexandria sowohl Titel als auch Autorennamen. Gestalterisch ist die Webseite sehr minimalistisch und selbsterklärend aufgebaut, leistet aber nicht mehr als die Vorschläge Amazons zu kopieren.

Und ihr?

Wie sieht es mit euch aus? Wie findet ihr Bücher, wenn ihr ähnliche Bücher sucht wie das, das ihr soeben ausgelesen habt? Kanntet ihr die Webseiten vielleicht schon? Und wenn ja, was haltet ihr von ihnen?
Ich würde mich freuen eure Meinung zu dem Thema zu hören.

 

Bildquelle
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3 Kommentare zu „Die Suche nach dem neuen Lieblingsbuch

  1. Interessant, was es in dem Bereich inzwischen so alles gibt. Vor allem WhichBook klingt wirklich spannend, das werde ich bei Gelegenheit mal testen.

    Selber benutze ich jetzt schon seit etwas über einem Jahr Goodreads, hauptsächlich weil es dann doch größer ist als Lovelybooks. Den Vorteil, den ich dabei sehe ist, dass es sehr einfach ist, sich mit anderen Leuten zu verbinden und auch untereinander Buchtipps auszutauschen. So ist man nicht nur auf Empfehlungen angewiesen, die einem eine Maschine aufgrund irgendwelcher Algorithmen bereit stellt.

    Gefällt 1 Person

    1. Die persönliche Seite an Goodreads mag ich auch sehr gerne. Freunde und andere Lesebegeisterte kennen dann doch besser, was einem gefallen könnte.
      Was ich an WhichBook so super finde, ist vor allem die zweite Suche (die mit den Charakter-/Plot-/Welteigenschaften). Sie ist objektiv und gibt Auskunft über Teile der Geschichte, die in Zusammenfassungen meist untergehen.

      Gefällt 1 Person

      1. Ich hab mal ein bisschen damit rumprobiert und mir gefällt vor allem die character/plot-Einstellung. Unter setting wird mir dann doch etwas zu sehr regional bzw. geographisch gedacht, das schränkt den Begriff meiner Meinung nach etwas zu sehr ein. Aber ein paar interessante Vorschläge hab ich so schon bekommen. Wenn nur meine noch-zu-lesen-Liste nicht schon so überlang wäre… 😀

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