Lesen für einen günstigeren Haarschnitt

Es ist zwar scon wieder etwas her, aber auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse wurde unter anderem das Thema „Wie erreichen wir die Kids ab 12 Jahre?“ von Verlegern und diskutiert. Dabei sind durchaus interessante Punkte angesprochen worden. Darunter auch die nichtschulische Leseförderung. In Amerika hatte ein Friseurladen einen ziemlich ähnlichen Gedankengang.

Oftmals liegen im Friseursalon Zeitschriften aus. Eher selten Bücher. Anders ist das bei dem amerikanischen Friseur Fuller Cut. Hier finden sich Stapel von Kinderbüchern. Und die braucht man hier auch. Denn in Ypsilanti/Amerika kriegen Kinder einen Rabatt von 2$ auf ihren Haarschnitt, wenn sie ihrem Friseur während dem Haareschneiden ein Buch vorlesen. Doch das ist nicht alles. Um das Textverständnis der Kinder zu fördern, werden die Kinder auch zu dem, was sie gelesen haben, befragt. Im letzten Jahr haben bereits über hundert Kinder bei Fuller Cut vorgelesen.

Der Vorschlag kam von Ryan Griffin, der bereits seit 20 Jahren bei  Fuller Cut arbeitet. Er las von einem ähnlichen Lese-Projekt in Harlem/N. Y. Kurzerhand fragte er seinen Chef, ob man die Idee nicht auf den Laden übertragen könne. Er stimmte zu und innerhalb weniger Wochen wurden Bücher von Anwohnern gespendet.

Ypsilanti ist eine Stadt der Arbeiterklasse, nahe Ann Arbor/Michigan. Die Kunden sind vor allem Schwarze. Das reflektiert sich auch in der Auswahl der Bücher. So handeln viele von schwarzen Baseball-Spielern und Kinder-Detektiven.

Ein Vater sagt: „Es ist eine geniale Sache. Es hilft meinem Portemonnaie, der Bildung, und es hilft dabei eine bessere Zukunft für die Kinder zu kreieren. Ich liebe es.“ (Original: „It’s an amazing thing. It’s helping my pockets, it’s helping their education, and it’s helping prepare a better future for them, so I love it.“)

Eltern sind nicht die Einzigen, die begeistert sind. Auch Lehrer finden die Idee wunderbar. Wie auch schon im Artikel erwähnt wird, wird eines Tages eines der Kinder vielleicht einmal Journalist oder Autor und erinnert sich daran, dass zu es zu Kinderzeiten dem Friseur immer vorgelesen hat.

Ich halte die Aktion für eine ausgezeichnete Idee. Denn statt sich immer nur über Kinder und Jugendliche zu beschweren, die ständig daheim am Computer oder Smartphone hängen (außer zu Hochzeiten von Pokémon GO, wo sich plötzlich darüber beschwert wurde, dass Kinder und Jugendliche zu viel Zeit an der frischen Luft verbringen), animiert Fuller Cut zum Lesen. Das ist die Art von proaktiven Denken, die wir brauchen; das passiv-aggressive Rumgenörgele, das man so häufig mitbekommt, hilft nämlich niemandem.
Vom Friseurladen in Ypsilanti kann man sich hierzulande ruhig eine Scheibe abschneiden.

Was haltet ihr von der Idee?

 

Link zum englischen Artikel hier.


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