Thalia ist Vielfalt – nur leider mit extrem rechter Literatur

Das Geschäft mit Rassismus überschreibt die taz ihren Artikel vom 10.Oktober.

Worum geht es?

Thalia verkauft in Bremen Bücher des Kopp-Verlags.

Was ist der Kopp-Verlag?

Der Kopp-Verlag ist ein Verlag aus Rottenburg, der von Verschwörungstheorien über Themen wie das Finanzsystem bis hin zur Politik alles veröffentlicht. Wichtig dabei scheint nur zu sein, dass die These reißerisch ist. Der Verlag stand schon mehrfach in der Kritik, da die Titel zumeist ins rechtspopulistische abrutschen. Laut Verlagsinhaber, wolle man nur „den Meinungen und Sorgen derjenigen eine Plattform bieten die anderswo nicht gehört würden. Ängste wolle er nicht schüren.

Doch was sind das für Meinungen?

2014 fasste es der Spiegel so zusammen:

Mit seiner Mischung aus Rechtspopulismus, Kapitalismuskritik und Tabubrecher-Attitüde ist der Kopp-Verlag so etwas wie der Pionier des aktuellen Gegenzeitgeists – eines Geists, der sich gegen eine vermeintliche Political Correctness der etablierten Medienlandschaft richtet, weil diese angeblich ständig irgendeine Wahrheit unterdrückt.

„Angeblich“ ist hier das Stichwort. Denn Verschwörungstheorien sind ein Liebling des Verlags und die Lügenpresse der scheinbare Gegner. Wenn Politikwissenschaftler Claus Leggewie meint, dass der Kopp-Verlag eher noch als Krisenbeschleuniger einzustufen ist, da dieser Verlag keinerlei Vorschläge macht wie man aus der Krise herauskommt, ist er nicht allein. Auch Albert Bodenmiller hat gegenüber der ARD geäußert: „Sie [Der Kopp-Verlag] liefern diesen radikalen Demonstranten, diesen lauten schreienden Demonstranten, denen liefern sie sozusagen die Munition. Sie schießen nicht selber, sie lassen schießen.

Das ist der Verlag und die Meinungen, die Thalia unterstützt.

Thalias Stellungnahme

Die Pressesprecherin des Unternehmens, Julia Hattrup, sieht in der Bewerbung der Bücher keine Empfehlung. Der taz gegenüber erklärt sie: „Vielmehr geht es uns bei der Auswahl der Titel, die in der Rubrik ‚Aktuelles‘ zu finden sind, um eine ausgewogene Mischung verschiedenster Perspektiven zu einem aktuell diskutierten Thema, sodass Leser die Möglichkeit haben, sich umfassend zu einem Thema zu informieren, sich mit verschiedenen Blickwinkeln auseinanderzusetzen und sich so eine eigene Meinung zu bilden.“ Dazu gehörten auch Buchtitel, die „umstritten“ seien.

Man solle sich anhand solcher Bücher also eine Meinung bilden. Doch sollte man sich diese nicht anhand von Fakten und Daten bilden? Denn, wie oben bereits erwähnt, sagt Herr Kopp selbst, dass er Meinungen eine Plattform gibt, nicht fundierten Fach- und Sachwissen. Es ist schade, dass es eine gewisse Bevölkerungsschicht gibt, die sich durch unfundierte und irrationale Theorien so beeinflußen lassen. Denn wer beispielsweise Angst hat vor der Islamisierung Deutschlands, weiß wohl leider nicht, dass die Anzahl der Muslime nicht einmal 10% der Bevölkerung ausmachen.
Natürlich kann man immer das Argument vorschieben, dass solche Bücher zur Meinungsbildung beitragen sollen, doch habe ich so manches Mal das Gefühl einige Leser sind auf das mittelalterliche Denken zurückgefallen sind, dass Alles, was in gedruckter Form existiert, Weltwissen ist.

Fazit

Allgemein ist in Deutschland zur Zeit ein Rechtsruck zu bemerken, welcher sich unter anderem durch die Wahlerfolge der AfD abzeichnet. Muss also ein Unternehmen wie Thalia wirklich daraus Profit schlagen? Ist es wirklich vertretbar, dass Thalia solchen Büchern nicht nur Ladenfläche bietet, sondern sie auch noch aktiv bewirbt?

Elfi meint in ihrem Blogpost, dass Thalia mit solchem Handeln seinem eigenen Leitfaden widerspricht. Die Buchhandelskette selbst schreibt auf ihrer Website folgendes: „Kulturförderung ist dabei ein fester Bestandteil unserer Ethik.“ Doppelmoral ist für Thalias Handeln wohl eine passende Bezeichnung.

Und reicht es nicht, dass das „Tabu-Brechen“ des Kopp-Verlags bereits über andere Vertriebswege genügend Umsatz macht und rechtes Gedankengut schürt? Denn schlussendlich nützen die Verkaufszahlen niemandem außer Kopps eigenem Geldbeutel. Und der ist mit einem geschätzten Umsatz von 5–10 Millionen Euro (2013) nicht gerade leer.

Grundsätzlich täte es einigen Menschen gut einmal ein Geschichtsbuch aufzuschlagen, um sich bewusst zu werden, welche Auswirkungen solche Schriften und Meinungen verursachen können.

 

Nachtrag (da ich leider den Post vorher nicht finden konnte)

Vielleicht sollte man sich an lokale, inhabergeführte Buchhandlungen halten wie diese:

anti-rechts


Bildquellen:
Thalia Logo
Knopp Logo
Buchkolumne-Post

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2 Kommentare zu „Thalia ist Vielfalt – nur leider mit extrem rechter Literatur

  1. Danke fuer diesen praegnanten Ueberblick ueber den Kopp Verlag. Man kauft ja schon immer mit dem Gedanken bei Thalia ein, dass man damit mehr oder weniger direkt, kleinen lokalen Buchlaeden schadet, aber das ist noch einmal ein ganz anderes Kaliber… Es ist genau diese Gleichgueltigkeit, die oft den groessten Schaden anrichtet, am Ende heisst es dann immer „Wir wussten ja gar nicht wirklich was los war“, diese Erkenntnis kommt dann meistens aber schon viel zu spaet…

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    1. Danke 🙂
      Ja, die späte Erkenntnis ist schon immer sehr schade. Aber in diesem Fall ist es besonders krass, weil die Firmeninhaber der Kette anscheinend gesagt haben, dass diese Bücher verkauft werden soll. Die Leute, die vor Ort im Thalia arbeiten, haben wahrscheinlich nicht einmal die Möglichkeit etwas dagegen zu sagen. Individualität ist vom Unternehmen wohl nur bis zu einem gewissen Grad gewünscht.

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